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 Biedermeier-Punk: In Paris ist deutsche Mode im Trend 
 
 
 
Biedermeier-Punk: In Paris ist deutsche Mode im Trend
 
Date : Wed, 04 Oct 2006 18:00:00 GMT
Source : jetzt.de - Redaktionstexte
Link : http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/3
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Bei den Modenschauen in der französischen Hauptstadt werden gerade die Highlights für das Jahr 2007 verhandelt. Ganz Vorne: Kreationen aus DeutschlandAusgerechnet Wolfgang Joop eröffnete den Pariser Defilee-Reigen für Frühjahr/Sommer 2007. Dabei feierte der Modemacher aus Potsdam gleich zweimal Premiere. Denn zum ersten Mal zeigte er seine "Wunderkind"-Mode nicht wie bisher in New York, sondern in der Höhle der Löwen. Und Joop machte seinem Kollektionsnamen alle Ehre. "Biedermeier-punk" heißt sein Thema, was bedeutet, dass er Motorradjacken im Stil der frühen achtziger Jahre, mit diagonal verlaufendem Zipperverschluss, über weite Hemdenkleider mit loser Taille, Schinkenärmeln und Biesenfront zieht. Schutenhüte begleiten lässige Männeranzüge und Tankwart-Overalls. Goldene Ösen tackern Faltenmuster in weite Röcke. Parkas überraschen mit verblichenen Blumendessins, wie man sie von biedermeierlichen Sofabezügen kennt. Ein Model trägt in Paris eine Kreation von Joops Label 'Wunderkind' bei den Damenmodenschauen für das Frühjahr und den Sommer 2007. (Foto: dpa) Dass Mode aus Deutschland durchaus ein Thema ist, stellen auch der in Paris lebende Lutz Huelle aus Remscheid und das Münchner Designer-Duo Johnny Talbot und Adrian Runhof unter Beweis. Während Lutz sich eher konzeptionell mit Mode auseinander setzt, wahren Talbot Runhof stets den schönen Schein für glamouröse Abendauftritte. Durch Couture-Allüre im Stil der fünfziger Jahre bestechen Corsagenabendkleider mit nach hinten drapierter Weite und funkelnder Spitze auf grauem Mousseline. Bezüge zu Deutschland fanden sich auch in Nicolas Ghesquières Balenciaga-Kollektion. Denn er ließ sich von Klaus Nomi inspirieren, jenem Countertenor aus Köln, der im New York der achtziger Jahre ein kurzes Kapitel in der Geschichte der Popmusik schrieb. Dessen Bühnenkostüm mit Vatermörderkragen und doppelt gepolsterten Schultern wählt Ghesquière als Ausgangspunkt für einen ausgeklügelten Dandy-Look mit polierten Plastikdetails an weißen Hemden unter kurzen Spenzerjacken oder langen Gehröcken zu schmalen Satinhosen. Dazu passen kunstvoll zerschnittene Lackkleider, mit Chiffon unterlegt, und kurvige Corsagenjacken aus verschlungenen Stretchbändern. Ghesquière für Balenciaga ist momentan die unangefochtene Nummer Eins am Pariser Designerhimmel. Doch nun schlägt das Imperium zurück. Für Dior brillierte John Galliano mit einer seiner besten Kollektionen seit langer Zeit. Auch er hatte sich von Rüstungen inspirieren lassen, deren Scharniere, Armschienen und Brustplatten er in groben Baumwollcanvas und feinen Wollfilz übersetzt für streng geschnittene, graue Kostüme. Für moderne Jeanne d‘Arcs belebt er kragenlose Jacken mit rosengeschmückter Kurbelspitze und erzielt so einen Kettenhemden-Effekt. Feine Metallketten appliziert Galliano auf raffiniert drapierte Abendkleider aus rosaschimmerndem Seidenjersey. Mehr Bodenhaftung im Vergleich dazu beweist Jean-Paul Gaultier, was sicher auch ein Geheimnis seines Erfolgs ist. Für die Mode des nächsten Sommers ließ er sich von jenen Frauen inspirieren, die an chromblitzenden Sportgeräten gegen überflüssige Pfunde an Bauch, Beine, Po kämpfen. Also erfindet Gaultier ihnen den Jogginganzug neu in seidigen bis transparenten Stoffen. An den Hosenbeinen sind Streifen nach Adidas-Manier zu sehen. Das passende Oberteil dazu? Das ist bei Gaultiers Glamour-Sportswear vornehmlich der Boxerblouson mit Strickbündchen und kontrastfarbenen Ärmeln. Ihn verlängert er zum Minikleid im Kokonschnitt, verarbeitet ihn zur Umhängetasche und verwandelt ihn zum Abendkleid aus Chiffon. Asiatische Farben wie Eisblau, Hummer und Lila beleben, gestickte China-Motive wie Tiger und Flamingos sind dekorativ. Vor allem wenn ein durchsichtiger, farbiger Plastikschild mit Stretchband und passendem Diadem Sonnenschutz bietet. Autor: Peter Bäldle
 
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