cover.jpg In einer Kolumne für DWDL lobt Thomas Lückerath die neue Vanity Fair als “in der Realität angekommen“. Das Magazin sei runder geworden, klarer und “dankenswerterweise ein Heft zum Blättern“. Und tatsächlich: Seit dem Abgang von Chefredakteur Ulf Poschardt schwindet die Relevanz der deutschen “Vanity Fair” von Ausgabe zu Ausgabe. Aus Poschardts Versuch eine wöchentliche Zeitschrift mit einem bunten aber interessanten Mix aus Wirtschaft, Politik, Stil und Boulevard zu machen hat Nikolaus Albrecht eine - wenn auch gute - Kopie von “Gala” und “Bunte” gemacht. Zwischen jeder Menge Stil, langen Bilderstrecken und Retrospektiven auf Interviews (aktuelle Ausgabe: Patrick Dempsey über den man einen austauschbaren Text im Print-Magazin bringt, während man auf der Website ein exklusives Interview veröffentlicht) schmuggeln sich ab und zu - fast aus Versehen scheinbar - noch interessante Artikel, wie das aktuelle Interview mit der russischen Exil-Journalistin Elena Tregubowa. Das die Artikel dabei um Himmels Willen abzüglich Bildern nie länger sind als drei Seiten kann als Lesezirkelisierung des Magazin angesehen werden - nichts darf beim durchblättern mehr als 10 Konsum-Minuten dauern. Die deutsche Ausgabe der “Vanity Fair” sah sich von Anfang an einer dicken Kluft zwischen Anspruch und Realität gegenüber. Diese hat man nun offenbar überwunden. Nicht aber, in dem man in der Redaktion mehr Gas gab. Sondern einfach, indem man die eigenen Ansprüche runter schraubte. Als das Magazin vor einem Jahr hierzulande startete schwankte die Qualität merklich von Ausgabe zu Ausgabe. Jede zweite Ausgabe war ein gutes Werk mit interessanten Texten, die Ausgaben dazwischen waren schnell zusammengeschusterte Lückenfüller. Eine Umstellung des Erscheinungsrhythmus hätte hier vielleicht Wunder gewirkt. Statt dessen schraubt man den eigenen Anspruch herunter und lässt sich anschließend gratulieren: Von einem Magazin mit Inhalt ist man zum Magazin zum Durchblättern geworden. Auch eine Leistung, wenn auch vielleicht nicht die beste.
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