Kritikabschnitt auf Palmöl, gehört weitestgehend hier hin ← Nächstältere Version Version vom 3. November 2009, 10:43 Uhr Zeile 83: Zeile 83: Ein vergleichsweise geringer Teil des Palmöls wird für die Herstellung von ((Biokraftstoff))en, vor allem ((biodiesel)) sowie das aufbereitete ((Hydriertes Pflanzenöl|NEXBtL)), ein ((Hydriertes Pflanzenöl)) des finnischen Unternehmens ((Neste Oil)), sowie als Brennstoff in ((Blockheizkraftwerk))en verwendet. Ein vergleichsweise geringer Teil des Palmöls wird für die Herstellung von ((Biokraftstoff))en, vor allem ((biodiesel)) sowie das aufbereitete ((Hydriertes Pflanzenöl|NEXBtL)), ein ((Hydriertes Pflanzenöl)) des finnischen Unternehmens ((Neste Oil)), sowie als Brennstoff in ((Blockheizkraftwerk))en verwendet. + + == Nachhaltigkeit und ökologische Probleme == + === Ökologische und menschenrechtliche Probleme === + ((Datei:Oilpalm malaysia.jpg|thumb|Palmölplantage)) + Vor allem aufgrund der Plantagenwirtschaft und der damit einhergehenden Abholzung großer ((Regenwald))flächen in den Hauptanbaugebieten der Ölpalme steht der Anbau von Palmöl international sowohl bei Umweltschutzorganisationen als auch politisch in der Kritik. Der Anbau der Ölpalmen erfolgt zudem nach gängiger Einschätzung gegenwärtig in ökologisch nicht ((Nachhaltigkeit|nachhaltiger)) Weise. + + Verschiedene Umweltschutzorganisationen, in Deutschland insbesondere ((Greenpeace)) und ((Rettet den Regenwald)), weisen darauf hin, dass für die Errichtung von neuen Ölpalmplantagen in großem Umfang ((Tropischer Regenwald|Regenwälder)) zerstört werden. Diese Aussagen wurden durch Forschungsergebnisse auf der Basis von Daten der FAO bestätigt, nach denen zwischen 1990 und 2005 1,87 Millionen Hektar Palmölplantagen in Malaysia und mehr als 3 Millionen Hektar in Indonesien neu angelegt wurden, von denen mehr als die Hälfte durch Abholzung von Wäldern entstand.<ref>''(http://environment.newscientist.com/channel/earth/mg19826582.900-tropical-forests-axed-in-favour-of-palm-oil.html Tropical forests axed in favour of palm oil.)'' NewScientist Environment 31. Mai 2008.</ref> + ((Datei:Plantacion-Palma-Fumi-Bosqu.jpg|thumb|Pestizideinsatz auf einer Palmölplantage)) + In Indonesien und Malaysia ist die Expansion des Palmölanbaus mittlerweile die Hauptursache für die ((Entwaldung)), und durch die ((Brandrodung))en insbesondere von Torfwäldern werden erhebliche Mengen CO<sub>2</sub> freigesetzt. Eine 2006 veröffentlichte Studie der ENGO ''((Wetlands International))'' kommt zu dem Schluss, dass jede auf ehemaligen Torfwaldflächen erzeugte Tonne Palmöl für den Ausstoß von 10-30 Tonnen an CO<sub>2</sub> verantwortlich ist.<ref>''(http://www.wetlands.org/news.aspx?ID=804eddfb-4492-4749-85a9-5db67c2f1bb8 Bio-fuel less sustainable than realised.'' Presseerklärung von Wetland International vom 8. Dezember 2006) abgerufen am 10.Januar 2008</ref> Das meteorologische Zentrum der ((ASEAN)) glaubt, dass sich aufgrund der Brandrodungen das Klimaphänomen ((El Niño)) verstärken würde und eine bis zum Oktober verlängerte Trockenzeit für die Region zur Folge hätte. Dies würde wiederum die Ausbreitung zukünftiger Waldbrände fördern. Rauchschwaden der Brandrodungen auf ((Sumatra)) trüben alljährlich den Himmel über ((Kuala Lumpur)) und ((Singapur)), die östlich der Insel liegen. Ankündigungen der ASEAN, eine Nulltoleranzlinie gegenüber Brandrodungen zu verfolgen, wurden bereits 1997 und 1998 gemacht, blieben jedoch ohne Folgen. Politisch einflussreiche Plantagenbesitzer und gute Palmölpreise dürften dafür mitverantwortlich sein.<ref>K.P.: ''Rauchwolken am Himmel über Südostasien. Neuer Anlauf zur Bekämpfung der Brandrodung.'' ((Neue Zürcher Zeitung)), Nr. 191, 20. August 2009, S. 5</ref> + + Auch in anderen Ländern wie Kolumbien, Ecuador oder Kamerun wurden Ölpalmplantagen auf Regenwaldflächen erstellt, allein in der ecuadorianischen Provinz ((Esmeraldas (Provinz)|Esmeraldas)) in den vergangenen Jahren 60.000 Hektar. Zudem werden bei der Anlage von Ölpalmplantagen oftmals die Landrechte ansässiger Kleinbauern und indigener Gemeinschaften verletzt<ref>(http://www.kolko.de/downloads/kolko_friedensgemeinden_kolumbien.pdf Bericht über Landvertreibungen in Kolumbien)</ref><ref>James Painter: ''(http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/6927890.stm Losing land to palm oil in Kalimantan.)'' BBC News, 3. August 2007.</ref>. + + ((Datei:723px-Orang-utan_bukit_lawang_2006.jpg|thumb|Orang-Utans sind durch großflächige Palmölplantagen direkt bedroht und wurden zum Symbol der Gegner von Ölpalmenplantagen)) + Durch den massiven Einsatz von ((Pestizide))n und ((Kunstdünger))n auf den sehr nährstoffarmen tropischen Böden und in dem sehr regenreichen Klima wird das Grundwasser, Flüsse und indirekt die lokale Bevölkerung vergiftet. Zudem werden durch den enormen Wasserverbrauch der Plantagen die Trink- und Nutzwasserressourcen der Lokalbevölkerung stark beeinträchtigt. Palmölplantagen stellen (wie andere ((Monokultur))en) ein Problem für den Erhalt der ((Artenvielfalt)) der strukturreichen Regenwälder dar. So bedrohen die ausgedehnten Ölpalm-Monokulturen Indonesiens den Lebensraum der ((Orang-Utan))s<ref>UNEP, UNESCO: (http://www.unep-wcmc.org/resources/PDFs/LastStand/full_orangutanreport.pdf The Last Stand of the Organutan), abgerufen am 10. Januar 2008</ref> oder die Entwaldung in ((Papua-Neuguinea)) den ((Prinzenhabicht)) (''Accipiter princeps'')<ref>''(http://environment.newscientist.com/channel/earth/dn13935-one-in-eight-bird-species-threatened-by-climate-change.html One in eight bird species threatened by climate change.)'' NewScientist Environment 19. Mai 2008.</ref>. Der Orang-Utan wird aufgrund dieser Problematik vor allem von ''Rettet den Regenwald'' als Symbol für die Kritik an der Palmölpolitik genutzt. + + === Reaktionen auf internationale Kritik === + Während für Palmöl und andere biogene Energieträger ein in der Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung seit 2007 gesetzlich vorgeschriebenes Zertifizierungssystem die ökologische und soziale Nachhaltigkeit des Anbaus in Zukunft gewährleisten und damit ungewollte Auswirkungen wie Urwaldrodung und Menschenrechtsverletzungen verhindern soll, wird die Produktion der anderen Palmölprodukte wie Kosmetika und Margarine weiterhin keinerlei Nachhaltigkeitskriterien unterworfen sein. + + Der im Jahr 2003 auf Initiative des ((WWF)) gegründete ''Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl'' (''((Roundtable on Sustainable Palm Oil))'', RSPO) versucht als zentrale Organisation nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und so die Umweltschädigung zu begrenzen.<ref>(http://www.rspo.org/ Roundtable on Sustainable Palm Oil, Website)</ref> Mitglieder des Roundtable sind neben Umweltschutzverbänden und anderen ((Nichtregierungsorganisation|NGOs)) vor allem Firmen und Institutionen aus der ((Wertschöpfungskette)) des Palmöls, darunter Plantagenbetreiber, Händler und industrielle Abnehmer von Palmöl, aber auch Investoren und Banken.<ref>''(http://www.rspo.org/Players_in_the_Palm_Oil_Supply_Chain.aspx Players in the Palm Oil Supply Chain)'' auf den Seiten des Roundtable on Sustainable Palm Oil</ref> Im Mai 2008 kündigte der ((Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland)) (OVID) an, dass die Zertifizierung von nachhaltig produziertem Palmöl auf der Basis der Richtlinien des RSPO noch in diesem Jahr realisiert wird.<ref>''(http://www.ovid-verband.de/fileadmin/downloads/3_PM_OElmuehlen_sind_Vorreiter.pdf Ölmühlen sind Vorreiter)'', Pressemitteilung des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID)</ref> Auch die Vereinigung der indonesischen Palmölhersteller Gapki (''Gabungan Pengusaha Kelapa Sawit Indonesia'') räumt mittlerweile Versäumnisse ein und kündigt an, dass in Zukunft darauf geachtet wird, dass ausschließlich Brachland für den Neuanbau von Ölpalmenplantagen verwendet werden soll.<ref>''Palmölfirmen geloben Besserung. Indonesische Erzeuger wollen künftig Naturland verschonen.'' Holz-Zentralblatt 20, 16. Mai 2008</ref> + + Allerdings bezeichnen einige Umweltverbände auch die von der RSPO entwickelten Anbauformen als umweltzerstörend mit der Begründung, dass der Palmölanbau in großen Monokulturen grundsätzlich nicht nachhaltig sein könne und der RSPO der Industrie nur zum ((Greenwashing)) diene, wie z. B. die indonesische Umweltorganisation ''Sawit Watch'' (Palmöl-Wächter) behauptet. == Literatur == == Literatur ==
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