Western von Howard Hawks, USA 1959, 135m17s (PAL) Mit John Wayne, Dean Martin, Ricky Nelson u.a. DVD, Sprache/Tonformat: Englisch DD 2.0 Mono, Bildformat: 1,85:1 anamorph The Spectator's 50 Essential Films, Platz # 10 Wie angekündigt, werden die zehn Favoriten in der aktuellen Liste der besten Filme aller Zeiten aus dem SPECTATOR (siehe Link oben und meinen Eintrag kürzlich) im Blog einmal einer näheren Prüfung unterzogen, egal, ob es sich dabei um Wiederbegegnungen oder neue Erfahrungen handelt. „Rio Bravo“ ist eine Wiederbegegnung, diesen habe ich schon häufig gesehen. Sucht man den klassischen Western schlechthin, ist Howard Hawks’ „Rio Bravo“ sicher ein geeigneter Kandidat, schon archetypisch sind hier Charaktere, Situationen und Konflikte: John Wayne buchtet als Sheriff einen Mörder ein, der einen einflussreichen Bruder hat und dieser Bruder belagert von nun an mit seinen Leuten das Sheriff-Office (Büro sagt man ja im Western nicht) , weil er eine Auslieferung des Täters an den Bundes-Marshall verhindern will, dann wartet nämlich vermutlich der Henker-Strick. Dem Sheriff stehen nur ein Säufer, ein Krüppel und ein Jüngling zur Seite, immerhin noch mehr als Gary Cooper in „High Noon“, dessen Anti-These nach Hawks Worten „Rio Bravo“ auch sein sollte. Bis heute ist dieser Film ein gewaltiges Vergnügen, das Wort Entspannung steht bei Erzählweise, Inszenierung und den Darstellern im Vordergrund und das überträgt sich auf die Zuschauer, unterbrochen von kurzen aber außerordentlich wirkungsvoll inszenierten Kämpfen. Howard Hawks mochte den Stoff so sehr, dass er ihn gleich noch zwei Mal verfilmte, jeweils mit John Wayne, als „El Dorado“ 1967, und als „Rio Lobo“ (1970), de übrigens beide ebenfalls sehr gelungen sind. Bei viele Regisseure zählt der Film ferner zu den Favoriten, darunter Quentin Tarantino und John Carpenter; Carpenter verfilmte den Stoff bereits zwei Mal selbst im modernen Gewand: In dem exzellenten „assault on precinct 13“ von 1976, selbst längst ein Klassiker, und in dem unterschätzten „Ghosts of Mars“ von 2001. Dieser gewaltige Ruf verhalf „Rio Bravo“ wohl auch auf die Spectator-Liste. Trotzdem ist „Rio Bravo“ vielleicht ein wenig überschätzt. Die beachtliche Überlänge entsteht auch durch schon damals leicht angestaubten Humor und einen überflüssigen und reichlich absurden Romantik-Subplot zwischen John Wayne und der hübschen Angie Dickinson. Absurd? Ja.. Kein Zuschauer auf der Welt kann sich auch nur entfernt eine Antwort auf die Frage vorstellen: Wenn John Waynes Charakter eine Frau für sich gewinnt, was um alles in der Welt soll er dann mit ihr anfangen?! Und umgekehrt, was eine 22jährige Schönheit in einem Sheriff sieht, der ihr Vater (Wayne war damals 52) sein könnte. Soweit kommt es in dem Film (ein Glück?) ja auch gar nicht, auch wenn einige der Dialogszenen zwischen den beiden einen unangenehm berühren: John Waynes Statur, Gang und Gestik sind jedes Mal in einem Film ein epochales Ereignis, aber Screwball, das kann er nicht, das wirkt schon sehr verkrampft. Davon abgesehen: Die „zum heulen einfache“ (Reclams Filmgenre-Reihe) Geschichte ist von schlichter Eleganz, die Western-Elemente werden genussvoll präsentiert und wenn John Wayne, Dean Martin, Walter Brennan und Ricky Nelson der Belagerung durch die Gangster widerstehen, das sind Momente, die man immer wieder erleben kann und möchte. Und wenn dann Dean Martin und Ricky Nelson auch noch „My rifle, my pony and me“ anstimmen, dann ist nicht nur der Film, und der Zuschauer, dann ist sogar die Welt mit sich im Reinen. Punkte: 8/10. --- Anbieter, Cover & Bild: Warner
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